Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde
Gontenschwil-Zetzwil

Erntedank 2017

Erntedank2<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-gontenschwil-zetzwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>230</div><div class='bid' style='display:none;'>5617</div><div class='usr' style='display:none;'>5</div>

Predigt (Stefan Lobsiger) zum Volkslied "Es wott es Froueli z'Märit goh..." im Erntedankgottesdienst vom 10. September 2017 mit Taufe und Mitwirkung der Ländlergruppe "Echo vom Birch".







1. Es wott es Froueli z'Märit ga, wott de Ma diheime la

Liebe Gemeinde, Erntedank ist etwas Grosses. Täglich dürfen wir danken für die Atemluft, für feste und flüssige Nahrung, danken für Unterkunft und medizinische Versorgung, danken dafür, dass wir überhaupt da sind und dass es diese schöne Erde gibt; dazu das Weltall mit all den faszinierenden Gestirnen und mit dem unbeschreiblich grossen Raum dazwischen...
Ja, Erntedank ist etwas Grosses.

2. Hans, du muesch deheime blybe,muesch de Hüehner d'Eier gryffe.

Ja, Erntedank ist etwas Grosses. Wenn Menschen beteiligt sind an etwas Schönem und sogar daran mitgewirkt haben, werden sie aber schnell stolz und eingebildet. Sie wollen die Ernte für sich einheimsen und den Erfolg ganz für sich selber beanspruchen.
Da muss für einmal sogar der Mann in den Hühnerstall gehen, wo er doch sonst überhaupt nichts verloren hat!
Ja, und vielleicht ist es gerade der passende Vorwand, dass die Bäuerin ihren Stolz ganz ungestört geniessen kann, wenn wie ihren Kohl, ihre schönen Rüebli und Lauchstängel feilbieten und rühmen lassen kann.
Nicht, dass nur die Frauen stolz sein könnten. Die Männer sind auch gern ungestört, wenn sie am Stammtisch ihre Heldentaten vom Militär, von der Jagd, von ihren Geschäftsreisen, vom Wirken auf der Baustelle und überall sonst auftischen können.
Es geht also gar nicht um Frau oder Mann. Es geht einfach um uns Menschen. Wir wollen manchmal die Freude ganz für uns selber haben. Wir wollen zuoberst stehen. Wir wollen ungetrübt im Rampenlicht stehen ohne Kritiker, die uns ja auch noch von einer anderen Seite her kennen und entsprechend auch von unseren Misserfolgen und von unserem Scheitern wissen...

3. Im Ofe sy sechs grossi Chueche, muesch mer au zo dene luege!

Ja – ungestört sich glücklich fühlen über dem, was einem gelungen ist! Dann vielleicht noch „öppis ga ha“; sich mit ebenso gut gelaunten Erntedank-Feiernden sich etwas Feines gönnen; einmal einfach nur hinsitzen und sich bedienen lassen...
Wenn wir feiern, haben wir nicht selten lieber ferne Gäste um uns als nur die vertrauten Menschen. Denen ihre Geschichten kennt man ja schon. Und ob sie einem dann nicht den Markt-Gang vermiesen könnten mit Insider-Wissen oder mit ihrer lästigen Nörgelei?
Also lässt die Frau den Mann daheim – oder der Mann kommt lange nicht heim und feiert schon vorher, um daheim dann wieder das Alltagsgesicht zeigen zu können. Man müsste ja sonst ein paar Fragen beantworten müssen!

Liebe Gemeinde, wieder einmal hält uns ein Volkslied den Spiegel vor. Erntedank wird schnell vereinnahmt, individualisiert, für sich selbst beansprucht und wenn nötig heftig verteidigt.
Aber es kommt, wie es kommen muss: Die Freude wird einem verdorben...
4. Am Aabe wo s isch sechsi gsi, sy die Chueche gfresse gsy.
5. Und wo das Froueii hei isch cho, Ma, wo häsch mer d Chueche, wo?
6. Und hei die Hüehner alli gleit? Dr Güggel hät sis Ei verleit.

Die Fragen kommen...

Die Fragen kommen immer – es ist nur eine Frage der Zeit.

Und wenn nicht Menschen uns in die Mangel nehmen, so ist es am Ende Gott selbst, der über seine Gaben und unseren Umgang damit Rechenschaft von uns einfordert.

„Unser Bernd Buchert“ aus Seon macht uns darauf aufmerksam mit einem bekannten Zitat:
"Erst, wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen merken, dass man Geld nicht essen kann"
... und fügt an: (Diese Aussage) kommt fälschlicherweise nicht vom Indianerhäuptling Seattle (1786-1866), sondern aus einer Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree.
Nun so denn – Hauptsache, es wird uns gesagt was recht ist und wofür wir uns rühmen können. Gott will uns das Teilen lehren. Nicht nur das Teilen der Gaben Gottes und von allem Selbst-Erwirtschafteten, sondern auch das Teilen der Freude und unserer Dankbarkeit über allem, was uns geschenkt ist und was uns gelingt.

Noch mehr helfen muss Gott uns dabei, wenn wir auch unsere Niederlagen voreinander ausbreiten und uns nicht „gschämig“ voneinander abgrenzen, nur um andere nicht in unsere Not Einblick nehmen zu lassen.
Erntedank will uns zu „schonungsloser Offenheit“ untereinander anleiten – gerade auch in der Kirche. So kann sich in uns und unter uns der Segen vermehren; und wir haben noch mehr zu teilen und auszuteilen!

Aber leider kommt es immer wieder zum Konflikt...
7. Do nimmt si däHäns bim Bärtli, und rührt en usen is Gärtli.
8. Dä Hans, dä springt is Nochburhus, dä Chaschper luegt zum Feischter us.
Nach der Eskalation bemüht man(n) sich in Deeskalation.
Männer reden miteinander – stellen wir uns das einmal vor:
Männer reden miteinander, und zwar nicht nur darum,
dass geredet ist, sondern weil sie sich wirklich etwas zu sagen haben...

9. Chasper, mir müend zämme ha. D Frou wott mir dä Gring verschla!

Anscheinend müssen wir manchmal durch ein Donnerwetter dazu gezwungen werden, wieder mit einander zu reden. Vorerst reden zwar nur die Männer miteinander.
Aber wir wissen ja: die Frauen stellen Fragen...
In weiteren Strophen, die wir uns heute sparen, beraten die armen Männer unter sich, wie sie wohl am glimpflichsten davon kommen. Aber sie sind hilflos und eindeutig noch zu wenig konflikt-fähig. Konflikt-Fähigkeit ist etwas ganz anderes, als es einfach eskalieren zu lassen oder eine Eskalation sogar zu provozieren. Konfliktfähigkeit fängt an mit täglich geübtem und gelebtem Erntedank.
Der Mann könnte schon am Vortag der Frau sagen, dass er sich über das schöne Gemüse freue, das seine Frau anderntags auf den Markt bringen kann. Vielleicht würde sie ihn dann sogar fragen, ob er nicht mitkommen wolle? Und die Frau könnte die Erfolge des Mannes rühmen - ohne im Detail alles darüber erforschen zu müssen. So würde ihr der Mann vielleicht von sich aus anbieten, er würde dann den Hühner schon die „Eier greifen“ – damit sie ihren Tag bis in den Abend hinein geniesssen könne ohne heimpressieren zu müssen.
Ich habe da so einiges gelernt VOM FROUELI, DAS Z MÄRIT GEGANGEN UND VOM MANN, DER DAHEIM GEBLIEBEN IST.
Machen wir also nicht den CHASPER, sondern legen alle Eier auf den Tisch! Und dann teilen wir diese und verwerten sie zum Wohl aller im Hause!
In Römer 14,23b lesen wir: Alles Tun, das nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde.
Der Glaube macht uns demütig. Wir sehen und sehen ein, was von Gott kommt und wie viel Grund zur Dankbarkeit wir haben.
Der Glaube macht uns aber auch mutig und schenkt uns immer neue Energie, damit wir unseren Teil beisteuern mit Arbeit, Planung, mit unserem Forschen und Gestalten.
Alles soll aus Glauben geschehen. Das bedeutet, dass wir uns in überhaupt keiner Tätigkeit von Gott loslösen sollen. Unsere Liebe zu Gott und unsere Ehrfurcht vor IHM soll uns in allen Dingen leiten. Amen

Erntedank 2017
3 Bilder
Fotograf/-in S. Jordi
3 Bilder
Autor: Monika Gloor     Bereitgestellt: 04.10.2017     Besuche: 13 Monat